Entwicklung von Rebklonen mit besserer Klimaanpassung

Entwicklung von Rebklonen mit besserer Klimaanpassung

Leistungsfähiges Pflanzgut mit guter Boden- und Klimaanpassung bildet die Grundlage einer umweltgerechten Pflanzenproduktion. Dies trifft in gleicher Weise auf den Weinbau zu.

Neben der Globalisierung der Märkte gehört sicherlich die Klimaveränderung zu den größten Herausforderungen der Gegenwart.  Das größte Problem sind in zunehmendem Maß eine wärmere Witterung kombiniert mit Starkregenereignisse während der Traubenreifung und die dadurch ausgelöste Traubenfäule. Wegen der besonderen Bedeutung von Weinlandschaften für Tourismus und Wirtschaft von Weinlandschaften kommt dem Weinanbau hierbei eine besondere gesellschaftliche Bedeutung zu.

Ein lockerer Traubenaufbau durch längere Beerenstielchen und/oder kleinere Beeren sowie festere Beerenschale können den Fäulnisbefall stark reduzieren. Sie sind damit ein hervorragendes Resistenzmerkmal und können den Einsatz von Spezial-Botrytiziden erheblich vermindern. Solche Formen der apparenten Resistenz sind sehr stabil, da der Pathogen sie nur schwer überwinden kann und daher hervorragend für langlebige Kulturpflanzen, wie die Weinrebe geeignet.

Das Fachgebiet entwickelt daher von den traditionell in Deutschland angebauten Rebsorten Klone mit lockerem Traubenaufbau und damit einhergehender hoher Resistenz gegen Traubenfäulen. Hierzu wird Zuchtmaterial, das im Rahmen dieses oder weiterer Projekte gesammelt wurde, auf seine Widerstandsfähigkeit gegen Traubenfäulen und weitere weinbaulich relevante Eigenschaften getestet.

Ziel ist die Entwicklung von Klonen traditioneller Rebsorten mit hoher Traubenfäuleresistenz kombiniert mit einem stabilen Ertrag und hoher Trauben- und Weinqualität, um deutschen Winzern entsprechendes Pflanzgut zur Verfügung zu stellen. Damit soll einerseits die Applikation von Fungiziden  reduziert und gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Produktion an ihren traditionellen Standorten gesichert werden.

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Molekulargenetik

Molekulargenetik

Neben den traditionellen Verfahren treten molekulargenetische Verfahren in der Züchtung zunehmend in den Vordergrund. Dies ist auch in der Rebenzüchtung der Fall. Diese Verfahrungen werden die bisherigen nicht verdrängen, aber ergänzen und erweitern.

War die Auswahl einer Pflanze bisher ausschließlich auf ihren Phänotyp, also ihr Verhalten bzw. ihr Aussehen, ausgerichtet, so wird es mit der Molekulargenetik möglich die Gene unmittelbar zu analysieren. Sucht man also nach Rebsorten mit bestimmten Aromen, wird man in Zukunft mit einem genetischen Marker eine Vorauswahl treffen können, lange bevor die Reben zum ersten Mal überhaupt Trauben tragen. Da viele Eigenschaften nicht nur durch ein sondern durch viele Gene gesteuert werden, werden auch in Zukunft Feldversuche und Weinausbauten erforderlich sein, allerdings mit Pflanzen von denen man shcon relativ sicher ist, dass sie die gewünschten Eigenschaften haben.

Um die Auswahl von Klonen und Unterlagen effektiver zu gestalten, werden daher auch entsprechende molekulargenetische Verfahren entwickelt.

 

Roter Riesling

Roter Riesling

Die rote Variante des Weißen Rieslings und von diesem nur durch die Beerenfarbe unterscheidbar. Alle anderen Eigenschaften entsprechen denen des Weißen Rieslings. Die Weine sind weiß, höchstens gelegentlich ein Hauch von Lachsrosa erkennbar, wie auch bei Ruländer. Ansonsten entsprechen die Weine mit ihrer frischen fruchtigen Art völlig denen des Weißen Rieslings.
Die Sorte ist ein anschauliches Beispiel der großen genetischen Variation zwischen und innerhalb von Rebsorten.

Synonyme:
Piros Raijna, Piros Rizling, Rajnai Rizling Piros, Riesling Rouge, Risling Kranyi, Roszas Rizling, Ryzlink Cerveny, Ryzlink Rynsky

Herkunft:
Von einem Riesling mit roten Beeren wurde auch in der älteren Literatur schon berichtet. Auch bei anderen Sorten, wie dem Silvaner gibt es Farbvariante, bei den Burgunder-Sorten sind sogar alle drei Typen mit blauen, roten und weißen Beeren im Anbau.

Es darf angenommen werden, dass viele traditionelle Sorten einmal als rote oder blaue Form als Zufallskreuzung entstanden sind und die weiße Variante erst später durch eine Mutation entstanden ist. Die genetische Variation deutet zumindest beim Spätburgunder in diese Richtung. Vermutlich wurden die verschiedenen Farbvarianten auch neben einander angebaut und zusammen geerntet. Erst durch die Einzelstockvermehrung der Klonenzüchtung verschwanden die Farbspielarten aus den Weinbergen.

Zur Zeit nicht in allen Weinbaugebeiten zum Anbau zugelassen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

 

Blauer Frühburgunder

Frühreifende Form des Blauen Spätburgunders mit weniger Ertrag aber meist hervorragenden Weinen.

Synonyme:
Pinot Madeleine, Möhrchen, Augustclevner, Jakobstraube, Madeleine Noir, Luviana Veronese, S. Lorenzo

Herkunft:
Aus dem Blauen Spätburgunder mutierte Sorte, die sich von diesem nur durch eine deutlich frühere Reife unterscheidet. Die Namen beziehen sich auf die frühe Reife im August bzw. Heilige und ihre Namenstage während der Reifezeit der Sorte.

eingetragene Klone
1 Gm, 2 Gm, 3 Gm, 4 Gm, 5 Gm, 6 Gm, 7 Gm, 8 Gm, 9 Gm, 10 Gm, 11 Gm, 12 Gm

 

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

Ruländer (Grauburgunder)

Die Burgunderrebe mit rotbraunen bzw. rotgrauen Beeren.

Synonyme:
Grauer Burgunder, Pinot gris, Pinot grigio, Tokay d’Alsace, Szürkebarat

Herkunft:
Eine Mutation aus dem Blauen Spätburgunder mit roten Beeren, aber sonst gleichem Aussehen und von diesem nur durch die Beerenfarbe zu unterscheiden. Die Sorte gelangte 1375 durch Karl IV. von Frankreich nach Ungarn und von dort 1568 ins Elsaß und an den Kaiserstuhl. Wegen dieser Herkunft dort auch früher Tokayer genannt. Unabhängig davon erkannte 1711 Johann Seeger Ruland aus Speyer den Anbauwert der Sorte, wodurch der die Bezeichnung ‚Ruländer‘ entstand.

eingetragene Klone
1 Gm, 2 Gm, 21 Gm, 26 Gm, 27 Gm, 2/15 Gm, 2/16 Gm, 2/21 Gm, 2/26 Gm, 1-30 Gm, 1-31 Gm, 1-32 Gm, 1-33 Gm, 101 Gm, 102 Gm, 105 Gm, 107 Gm, 112 Gm, 113 Gm, 115 Gm

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

Roter Traminer (Gewürztraminer)

Vermutlich die bekannteste Bukettsorte weltweit und daher auch in vielen Ländern im Anbau. Die aromatischsten Weine kommen jedoch aus dem gemäßigten Klima Mitteleuropas. Die Sorte ist sehr anspruchsvoll und wird daher meist nur auf kleinen Flächen oder von Traminer-Liebhabern angebaut.

Synonyme:
Clevner, Klävner, Kleiner Traminer, Roter Nürnberger, Dreimänner, Christkindlestraube, Dreipfennigholz, Kleinwiener, Savignin Rose, Fromenteau Rouge, Gentil Rose Aromatique, Termeno Aromatico, Livora cerveny, Tramini Piros, Fermentin Rouge

Herkunft:
Dr. Ferdinand Regner, Klosterneuburg, vermutet aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen, dass Traminer zu den frühesten Rebsorten überhaupt zählt und der Wildform Vitis sylvestris noch sehr nahe steht. Auch Bronner fand Mitte des 19. Jahrhunderts noch Wildreben am Rhein, die große Ähnlichkeit mit Traminer aufwiesen. Auf die besonders hohe Qualität der Weine dieser Sorte weisen zahlreiche Verordnungen von Landesherren hin, die die Sorte verstärkt in den Anbau bringen wollten. So warnt auch Albertinus, dass Frauen nicht zuviel des schweren Traminerweins trinken sollten.

eingetragene Klone
1 Gm, 5 Gm, 7 Gm, 11 Gm, 12 Gm, 14 Gm, 15 Gm, 16 Gm, 28 Gm

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

 

Weißer Riesling

Die Sorte Weißer Riesling ist mit Sicherheit die bekannteste deutsche Rebsorte. Mit über 20.794 ha (Stand 2005) steht sie auch im Anbau ganz vorn. Synonyme Weißer Riesler, Rieslinger, Rössling, Rheinriesling, Moselriesling, Rheingauer, Johannisberger, Hochheimer, Klingelberger, Kleinriesling, Riesling Renano Bianco (Italien), Ryzlink rynsky (Tschechien), White Riesling, Johannisberg (USA) Herkunft Die Herkunft der Sorte ist umstritten. Sie könnte durch die Römer nach Mitteleuropa gekommen sein.  Aufgrund der Eltern: Weißer Heunisch  x  Vitis sylvestris (oder  x  (Vitis sylvestris x Traminer))    (Regner, 1998) ist aber die Entstehung am Oberrhein recht wahrschienlich. eingetragene Klone 24 Gm, 24-195 Gm, 24-196 Gm, 24-209 Gm, 64 Gm, 64-177 Gm, 64-183 Gm, 64-184 Gm, 94 Gm, 94-2 Gm, 110 Gm, 110-6 Gm, 110-11 Gm, 110-14 Gm, 110-18 Gm, 110-30 Gm, 198 Gm, 198-10 Gm, 198-12 Gm, 198-16 Gm, 198-25 Gm, 198-30 Gm, 198-44 Gm, 237 Gm, 237-8 Gm, 237-20 Gm, 239 Gm, 239-12 Gm, 239-17 Gm, 239-20 Gm, 239-25 Gm, 239-34 Gm, St. 7, St. 9 I  St. 26  Ra 69, Ra 95  Ra 98  303 Gm, 305 Gm, 308 Gm, 310 Gm, 312 Gm, 316 Gm, 318 Gm, 325 Gm, 326 Gm, 327 Gm, 336 Gm, 342 Gm, 343 Gm Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

Weißer Burgunder

Grüntraubige Rebsorte der Burgunderfamilie mit reifen, feinfruchtigen, eleganten Weißweinen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. In wärmeren Gebieten häufig – wegen der dort zu geringen Säure – mit Chardonnay verschnitten.

Synonyme:
Blanc de Champagne, Pinot Chardonnay, Pino Bianco, Feherburgundi, Rulandsky Bile
Herkunft:
Weiße, vermutlich sehr alte Mutation aus dem Blauen Spätburgunder, die häufig mit Chardonnay und Auxerrois zusammen angepflanzt wurde und häufig auch als eine Sorte betrachtet wurden.

eingetragene Klone
1 Gm, 2 Gm, 3 Gm, 5 Gm, 7 Gm, 10 Gm, 90 Gm

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

Auxerrois

Frühreifende Sorte mit Burgunder-Charakter. Bringt Weine mit weniger Säure als Weißburgunder.

Synonyme:
Auxois, Auxera, Blanc de Laquenexy (Die Bezeichnung ‚Auxerrois‘ wird gelegtlich auch für die französische Rotweinsorte Cot verwendet.

Herkunft:
Die Sorte wird meist zur Burgundergruppe gezählt, obwohl sie keine echte Pinot-Sorte ist. Untersuchungen von Regner, Klosterneuburg, sehen sie als Abkömmling von Burgunder und Heunisch. Wie auch der Chardonnay wurde Auxerrois lange als Spielart des Weißburgunders angesehen und nicht als eigenständige Sorte behandelt. Der Name könnte von der Grafschaft Auxerrois im Chablis-Gebiet stammen oder von Auxerre abgeleitet sein.

eingetragene Klone
5 Gm, 6 Gm, 7 Gm, 8 Gm, 11 Gm, 12 Gm, 14 Gm, 15 Gm, 18 Gm, 20 Gm, 21 Gm, 22 Gm

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67

Müller-Thurgau

Vermutlich die erste aus gezielter Züchtungsarbeit hervorgegangene Rebsorte mit weltweiter Bedeutung.

Synonyme
Müller, Müllerka, Müllerovo, Riesling x Silvaner, Rivaner, Rizvanac Bijeli, Rizvanec

Herkunft

1882 von Herrmann Müller-Thurgau an der damaligen königlichen Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim gekreuzt. Als Eltern waren Riesling und Silvaner vorgesehen. Neuere genetische Untersuchungen von Regner, Klosterneuburg und Zyprian, Geilweilerhof stellten fest, dass nicht Silvaner sondern die französische Tafeltraubensorte Madelaine Royal der Vater des Müller-Thurgaus ist.
Die eigentliche Züchtungsarbeit an der Sorte wurde jedoch nicht in Geisenheim, sondern in Wädenswil durchgeführt, wo Prof. Dr. Herrmann Müller-Thurgau als Direktor tätig war. Die Sorte kam erst 1913 wieder nach Deutschland und wurde nach 1945 verstärkt angebaut.

eingetragene Klone
2 Gm, 3 Gm, 4 Gm, 6 Gm, 6-11 Gm, 6-13 Gm, 6-15 Gm, 6-19 Gm, 18 Gm, 21 Gm, 22 Gm, 23 Gm, 68-10 Gm, 68-13 Gm , 68-16 Gm

 

Weitere Informationen finden Sie in unserem Geisenheimer Bericht Band 67